Contax – die Geschichte


Zwischenablage01Leica-Alternative vergangener Tage: Unter dem Namen Contax brachte Zeiss zwischen 1935 und 2005 Kameras auf den Markt. Wir schauen zurück in die Geschichte der Marke.

Von 1974 bis 2005 kamen Contax-Kameras aus Japan

Die einstmals hochangesehene Kameramarke Contax geht auf den ursprünglich thüringischen Optik-Konzern Carl Zeiss und seine sächsischen Kameratochter Zeiss Ikon zurück. Im Gefolge der deutschen Teilung ging sie zur Zeiss Ikon AG in Stuttgart und mit der Schließung der dortigen Kameraproduktion unter die Fittiche des in Oberkochen angesiedelten damaligen Stiftungsunternehmens Carl Zeiss, das heute unter dem Namen Carl Zeiss AG firmiert. Aktuell gibt es kein optisches oder fototechnisches Produkt, das unter dem Namen Contax vertrieben wird. Der Kooperationsvertrag mit dem japanischen Keramik-Konzern Kyocera wurde zwar vor etwa zehn Jahren verlängert, die aktive Nutzung der Marke durch Kyocera jedoch im Jahre 2005 eingestellt.

Der Name Contax wurde bei Zeiss Ikon erstmals in den 1920er-Jahren für einen Fahrtrichtungsanzeiger für Automobile genutzt, der sich in der Praxis jedoch nicht durchsetzen konnte. Im Jahre 1932 stellt Zeiss Ikon unter dem Namen Contax die erste Kleinbildkamera des Dresdner Unternehmens vor, die ab 1936 mit der Einführung der Modelle Contax II und III als Contax I weitergeführt wurde. Die Contax-Kameras waren Schlitzverschluss-Messsucherkameras mit Wechselobjektiven, die über ein Bajonett mit der Kamera verbunden wurden. Das Bajonett war mit späteren Contax-Kameras nicht kompatibel. Es wurde vom japanischen Hersteller Cosina später für die Voigtländer SC-Objektive nochmals genutzt. Bis heute gibt es von Voigtländer noch einen Adapter, der die Nutzung dieser Objektive an Kameras mit Sony-E-Bajonettt ermöglicht.

Neuanfang mit Yashica

Nach dem Ende der Kameraproduktion bei Zeiss Ikon und dem verbundenen Unternehmern Voigtländer sowie dem anschließenden Scheitern der Übernahme der Zeiss Ikon Contaflex SL 725 durch den Nürnberger Projektor- und Kompaktkamerahersteller Dacora/Weber suchte Zeiss nach einem neuen Kooperationspartner für eine moderne Kleinbildspiegelreflexkamera. Die Zukunft dabei beim japanischen Hersteller Yashica und seinem optischen Werk, das zuvor unter dem Namen Tomioka bekannt war.


RTS steht für „Real Time System“ und sollte für ein besonders schnelles Arbeitstempo sorgen.
Im Jahre 1972 vereinbarten Carl Zeiss und Yashica einen Kooperationsvertrag für eine neue Spiegelreflexkamers, die unter dem Namen Contax angeboten werden sollte. Das Design des ersten 1974 als Contax RTS (Real Time System) vorgestellten Modells kam von F.A. Porsche. Die Objektive zur Contax trugen den Namen Carl Zeiss. Die Standardbrennweiten wurden von Anfang an in Japan produziert und ihre Berechnung war auf japanische Gläser abgestimmt. Im Laufe der Jahre wurden immer mehr der ursprünglich noch in Deutschland produzierten Objektive unter Aufsicht von Carl Zeiss in Japan hergestellt. Unter dem Namen Yashica wurden weitere Kameras und auch Objektive mit dem C/Y- oder Y/C-Bajonett produziert. Die technische Basis der beiden Marken war zeitweise eng verwandt. Eine klare Linie war jedoch nie erkennbar.


Der nächste Schritt mit Kyocera
Yashica kam Anfang der 1980er-Jahre offensichtlich in wirtschaftliche Turbulenzen und wurde 1982 vom Industriekeramikkonzern Kyocera übernommen. Aus dem ehemaligen Tomioka-Werk wurde damals die Firma KyoceraOptec, die heute noch optische Komponenten produziert. Im Gefolge der RTS kamen die SLR-Modelle 139 Quartz, 137 MD, RTS II, 137 MA, 159 MM 167 MT, RTS III, ST, S2, S2b, RX, AX mit Autofokus für die manuellen Objektive sowie als letzte Modelle die RXII und die Contax Aria. Auf der technische Basis der Yashica FX-3 wurde mit der Contax Preview ein Modell mit Polaroid-Rückteil vertrieben, das jedoch nur Bilder im KB-Format ermöglichte. Daneben gab es auf der Basis verschiedener Contax-Versionen auch Sondermodelle für spezielle Einsatzzwecke.

Mit der Übernahme durch Kyocera war Yashica finanziell deutlich besser ausgestattet und brachte mit der Contax T eine Sucherkamera im Stile der Minox 35. Als Sucherkameras folgten die T2, die T-VS mit Vario-Sonnar, die T VS II, die T VS III und die T 3 sowie die T ix für Filme im APS-Format. Mit den beiden Modellen G1 und G2 kamen zwei KB-Sucherkameras mit Zeiss-Wechselobjektiven auf den Markt, die damals deutlich moderner waren als die Messucherkameras der Marke Leica.

Auf der photokina 1998 wurde mit der Contax 645 des einzige Contax-Modell im Mittelformat vorgestellt. Für die es ein neues Programm an AF-Objektiven gab, die auch heute noch beispielsweise an den Alpa-FPS-Systemen genutzt werden können.


Der langsame Abschied

Contax auf dem Abstellgleis
Die Contax N1 aus dem Jahr 2000 war die erste Kamera des Contax N-Systems.
Der letzte Versuch, mit Autofokus-Objektiven und einem neuen N-Objektivbajonett zum Markt aufzuschließen, war letztlich zum Scheitern verurteilt. Auch der Anlauf, mit der N digital eine digitale Spiegelreflexkamera mit N-Anschluss auf den Markt zu bringen, verlief eher unglücklich, da der damals von Philips bezogene Sensor die Erwartungen offensichtlich nicht erfüllt hat. Der Name Contax wurde mit der T VS Digital dann auch für digitale Kompaktkameras genutzt. In der Folge kamen noch weitere kompakte Modelle auf den Markt, deren Elektronik jedoch ziemlich anfällig war und die heutzutage meist nur noch für die Vitrine taugen.

Im April 2005, kurz nachdem der Kooperationsvertrag mit Zeiss verlängert worden war, hat Kyocera seine Kameralinien aufgegeben. Die Marke Yashica wurde nach Hongkong verkauft. Für Zeiss lag der Nutzen der Marke Contax in den vergangenen zehn Jahre einzig und allein in den regelmäßgen Lizenzgebührenn, die man von Kyocera bezogen hat. Gepflegt wurde die Marke nicht mehr. Die Marke Contax ist derzeit noch in etwa 60 Ländern für die Carl Zeiss AG geschützt. Zeiss nutzt die Marke jedoch derzeit nicht. Während die Marke Zeiss Ikon mit einem analogen
Kameramodell weitergeführt wurde, das bei Cosina in Japan produziert wurde, ist Zeiss im Bereich der digitalen Fotografie mit Sony vertraglich verbunden. Hinsichtlich einer künftigen Nutzung der Marke Contax gibt man sich in Oberkochen schon seit Jahren ausgesprochen schmallippig.